Sicherheit
Konsens, Safewords und Limits: eine Online-Session sicher aushandeln
Wenn du in einer Session zum ersten Mal „gelb" sagst, wird dir das vermutlich unangenehm sein. Man hat das Gefühl, gerade etwas kaputtgemacht zu haben. Von einer erfahrenen Herrin kommt darauf aber fast immer dieselbe Antwort, und zwar ohne eine Sekunde Zögern: „Gut, danke. Dann machen wir es anders."
Und dann wird es anders gemacht, und meistens wird es gut.
Genau daran merkt man, dass diese ganzen Vokabeln nichts Bürokratisches sind. Sie sind der Grund, warum man sich überhaupt fallen lassen kann. Nur redet kaum jemand darüber, wie sie praktisch funktionieren, und über Distanz funktionieren sie anders als im selben Raum. Wenn du überhaupt zum ersten Mal buchst, lies vorher auch, wie so ein Termin abläuft.
Online fehlt dir die Hälfte
Im selben Raum spürt man Dinge, ohne sie zu benennen. Wie sich die Atmung ändert. Wann die Schultern hochgehen. Die winzige Pause vor einem „ja".
Übers Netz ist das weg. Die Kamera zeigt einen Ausschnitt in mittelmäßiger Auflösung, und die Tonkompression bügelt ausgerechnet das Leise weg, auf das es ankäme. Alles, was man sonst spürt, muss online gesagt werden.
Dazu kommt etwas, das es vor Ort schlicht nicht gibt: den Zustand, in dem jemand spricht und niemand ihn hört. Ein eingefrorenes Bild, ein stummgeschaltetes Mikro, ein Anruf, der einfach weg ist. Dafür braucht man eine Verabredung, und die vergisst fast jeder.
Was man vor Ort spürt, muss online ausgesprochen werden. Der ganze Rest folgt aus diesem einen Satz.
Was vorher geklärt sein muss
Fünf Minuten im Chat, ein paar Tage vorher. Mehr ist es nicht, und es ist die beste investierte Zeit überhaupt.
- Der Rahmen. Wie lange, welches Medium, welche Rollen, worauf läuft es hinaus. Ein Satz reicht, aber er muss existieren.
- Was ausgeschlossen ist. Von beiden Seiten. Nicht „was magst du nicht so", sondern „was passiert auf keinen Fall".
- Wie abgebrochen wird. Welches Wort, welches Zeichen, und was danach passiert. Dazu gleich mehr.
- Gesundheitliches. Nur das, was wirklich relevant ist. Keine Krankenakte.
- Ob aufgezeichnet wird. Standard ist nein. Alles andere braucht ein ausdrückliches Ja von beiden.
Am besten schriftlich, im Chat. Nicht aus Misstrauen, sondern weil man drei Tage später beide etwas anderes in Erinnerung hat, und weil man dann einfach nachlesen kann.
Deine Liste
Die Limits-Listen, die im Netz kursieren, sind entweder 200 Zeilen lang oder so vage, dass niemand etwas damit anfangen kann. Eine brauchbare passt auf eine halbe Seite und hat drei Teile:
Hart. Kommt nicht vor. Keine Ausnahme, keine Steigerung, keine Diskussion. Kurz halten und dafür ernst meinen.
Weich. Geht, aber nur angekündigt, nur in einem bestimmten Rahmen, oder nur an guten Tagen.
Wozu du ausdrücklich ja sagst. Den Teil lassen fast alle weg, dabei ist er der nützlichste von allen. Eine Liste, die nur aus Verboten besteht, ist für die andere Seite ein Minenfeld ohne Karte.
Zwei Dinge dazu. Erstens musst du nichts begründen. Ein Limit, das man rechtfertigen muss, wird verhandelbar, und das ist es nicht. Zweitens: Werd konkret. „Nichts Erniedrigendes" ist keine Angabe, damit kann niemand arbeiten. Schreib hin, was du meinst, auch wenn es sich beim Tippen komisch anfühlt.
Und falls dir jemand einredet, eine lange Liste harter Limits sei ein Anfängerzeichen: Unsinn. Sie ist ein Zeichen dafür, dass jemand nachgedacht hat, und mit so jemandem arbeitet es sich leichter als mit einem „mir ist alles recht".
Grün, Gelb, Rot
Ein einzelnes Safeword kennt zwei Zustände: alles gut, oder sofort Schluss. Dazwischen liegt aber genau der Bereich, in dem die Session stattfindet. Deshalb funktioniert die Ampel besser.
| Wort | Heißt |
|---|---|
| Grün | Weiter. Alles in Ordnung, gern auch mehr. |
| Gelb | Langsamer, oder anders. Es geht weiter, nur nicht so. |
| Rot | Stopp. Sofort, ganz, ohne Rückfrage. |
Gelb ist das wichtigste der drei und wird am seltensten benutzt. Wer nur Grün und Rot kennt, hält zu lange durch und reißt dann komplett ab. Wer Gelb sagt, bleibt im Spiel. Bis das sitzt, dauert es meistens ein paar Sessions.
Von der anderen Seite gehört dazu, aktiv nachzufragen. Unregelmäßig, und so, dass ein Nicken nicht reicht. „Farbe?" ist die kürzeste Form, und sie ist deshalb üblich, weil sie sich auch dann noch beantworten lässt, wenn Sprechen gerade schwerfällt.
Wenn das Bild einfriert
Das ist die eine Verabredung, die online dazukommt und die kaum jemand trifft, bis es das erste Mal passiert ist.
Macht ein Handzeichen aus, für den Fall, dass das Mikro streikt oder Sprechen gerade nicht geht. Etwas Eindeutiges, das nicht zufällig passiert. Und ein Zeichen im Chat, ein einzelner Buchstabe reicht, falls die Kamera weg ist.
Und dann die Regel, die wirklich zählt: Bricht die Verbindung ab, gilt Rot, bis das Gegenteil bestätigt ist. Kein hektisches Wiedereinwählen und mitten in der Szene weitermachen. Erst ein Satz normal miteinander reden, dann weiter.
Klingt übervorsichtig. Ist es nicht. Ein Aussetzer ist ein Aussetzer, aber wenn er unkommentiert bleibt, wird er zu einem Missverständnis, und Missverständnisse in diesem Zustand sind unangenehm für beide.
Aufnahmen
Kurz und in beide Richtungen: ohne ausdrückliches Ja wird nicht aufgezeichnet, nicht gefilmt, nicht fotografiert, nichts weitergegeben. Schweigen ist kein Ja. Und ein Ja kann man zurücknehmen.
Wenn ihr euch auf eine Aufnahme einigt, klärt vorher drei Dinge: wofür, wie lange, und wer sie sonst noch sieht. Hinterher ist es keine Absprache mehr, sondern eine Mitteilung.
Geht es um ein Werk, das dir gehört und das jemand anders verwendet, ist das ein anderer Fall: dafür gibt es das DMCA-Verfahren.
Falls dir doch mal ein Bild von dir irgendwo begegnet, wo es nicht hingehört: Auf OnlySlave gibt es dafür die Seite Inhalt melden, und die gilt für jede Person, die zu sehen ist, egal ob sie hier ein Konto hat oder nicht.
Woran du die falsche Person erkennst
Es gibt ein paar Muster, die ziemlich zuverlässig sind. Sie gelten für beide Seiten, die Herrin ist davon nicht ausgenommen.
- Über Limits wird verhandelt. „Nur ein bisschen." „Bei mir wird dir das gefallen." „Das sagen am Anfang alle." Wer ein Limit als Verhandlungsposition sieht, hat nicht verstanden, was ein Limit ist.
- Eile. Sofort anfangen, sofort entscheiden, sofort zahlen. Eine ernst gemeinte Verabredung übersteht eine Nacht Bedenkzeit.
- „Schreib mir lieber woanders." Der Klassiker. Damit verschwindet jede Möglichkeit, etwas zu melden oder nachzuweisen, und genau darum wird gefragt.
- Keine Lust auf Vorabsprache. Wer die fünf Punkte oben nicht beantworten will, will keine Session.
- Beleidigtsein nach einem Stopp. Ein Rot ist nie ein Angriff. Wer gekränkt reagiert, hat gerade gezeigt, dass ihm sein Vergnügen wichtiger ist als dein Zustand. Das ist alles, was du wissen musst.
Eines davon kann ein Missverständnis sein. Zwei sind ein Muster, und dann hörst du besser auf.
Der Teil danach
Aftercare klingt nach etwas Zärtlichem, ist aber ziemlich nüchtern: der geordnete Weg zurück in den Alltag. Über Distanz wird das wichtiger, weil hinterher niemand im Raum ist.
Zwei, drei Minuten normal reden, bevor aufgelegt wird. Ohne Rolle. Dann trinken, essen, Licht heller machen. Und am nächsten Tag eine kurze Nachricht, ein Satz genügt.
Ein bis zwei Tage später kann die Stimmung trotzdem kippen. Das ist bekannt, das ist normal, das geht vorbei. Es hilft enorm, vorher davon gehört zu haben, statt mitten drin zu denken, mit einem stimme etwas nicht.
Redet auch darüber, was ihr danach braucht. Manche wollen reden, manche wollen Ruhe. Beides ist richtig, aber eben nicht für dieselbe Person.
Wenn doch etwas passiert ist
Beenden. Sofort, ohne Erklärung, ohne höflichen Abschluss. Du schuldest niemandem einen sauberen Ausstieg.
Dann blockieren. Auf OnlySlave wirkt das in beide Richtungen, ihr seht euch danach nirgends mehr, und die andere Seite erfährt nicht, dass du es warst.
Und melden, über das ⚑-Symbol, das auf Profilen, Nachrichten und in Streams überall auftaucht. Lösch vorher nicht den Verlauf, so verständlich der Impuls ist. Er ist das, worauf sich eine Prüfung stützt. Was dabei geprüft wird, steht in den Richtlinien; erreichbar sind wir über die Kontaktseite.
Bei unmittelbarer Gefahr gilt, was immer gilt: erst der Notruf, alles andere danach.
Das klingt jetzt nach viel Vorarbeit für etwas, das eigentlich Spaß machen soll. Ist es aber nicht. Fünf Punkte vorher, drei Farben mittendrin, eine Verabredung für den Fall, dass die Technik ausfällt, und ein paar Minuten am Ende.
Und dann hast du den Kopf frei für den Teil, um den es eigentlich geht.